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Blackout - was wäre wenn?

In der neusten Ausgabe des Bäriswilers schreibt der Kommandant der Feuerwehr Region Hindelbank, Christian Spühler, über die Tücken und Folgen eines Blackouts. Hier finden Sie die ungekürzte Fassung zum Lesen und Nachdenken.

Bei meinem letzten Besuch eines Vergnügungsparkes wurde mir wieder einmal bewusst, wie einfach das Leben heute, nicht zuletzt durch die technischen Errungenschaften der letzten Jahre ist. Sachen, die früher mühsam mithilfe von Karten, Büchern, Prospekten oder Fahrplänen vor der Reise gesucht und aufgeschrieben werden mussten, sind heute Orts- und Zeitunabhängig jederzeit verfügbar.

Rechtzeitig meldete das Smartphone, wann es Zeit zum Aufbruch sei, damit der Park zu der von mir vorgesehenen Zeit erreicht wird. Die Anfahrt zum Park war mit Hilfe des Navigationssystems kein Problem. Fast minutengenau wies mich das System auf mögliche Störungen und Zeitverzögerungen hin. Durch die Onlinebuchung war auch das Anstehen kein Thema und wir konnten uns sogleich den angenehmen Seiten des Lebens widmen. Im Park wurden wir in Echtzeit auf Attraktionen in der Nähe unserer Position aufmerksam gemacht und die Wartezeiten der verschiedenen Bahnen waren jederzeit abrufbar. Selbst die Plätze im Restaurant konnten ganz nach Gusto kurzfristig auf einen Termin gebucht werden und standen zum angegebenen Zeitpunkt sauber und aufgeräumt bereit.

Alles steht jederzeit und immer zur Verfügung wann und wo ich es brauche. So ist die Wahrnehmung unserer Gesellschaft heute. Aber stimmt das wirklich? Stellen Sie sich einmal vor, der Strom im Raum Hindelbank würde, wie kürzlich in Südamerika oder im Grossraum London, einfach ausfallen.

Wenn wir einmal davon ausgehen, dass dies in der Nacht passieren würde, wären, ganz oberflächlich betrachtet, die Auswirkungen zunächst noch marginal. Die Strassenlampen würden nicht mehr leuchten und das eine oder andere beleuchtete Werbeschild wäre dunkel. Die meisten Leute würden es erst am Morgen nach dem Aufstehen bemerken, wenn sie mit dem Smartphone über W-LAN nicht die neusten News herunterladen oder den aktuellen Stand des Mailkontos prüfen könnten. Wenn dann auch noch das Licht im Badezimmer dunkel bleibt und die Kaffeemaschine keinen Wank macht, wäre wohl der erste Gang der zum Sicherungskasten. Dieser ist aber in Ordnung. Nun denn, die Toilette ist auch im Dunkeln benutzbar. Zuerst das wichtige, alles andere wird sich schon geben, werden Sie sich vielleicht denken. Nach dem Spülvorgang fehlt aber das typische Nachfliessgeräusch des Wassers. Auch der Wasserhahn gibt nur komische Geräusche von sich, anstatt das nötige Wasser zu spenden. Na toll, der Tag beginnt ja super…

Blenden wir ein paar Stunden zurück. Lange bevor Sie als Stromnutzer keinen Strom mehr erhalten, haben die für die Stromversorgung verantwortlichen Stellen den Netzausfall kommen sehen. Durch ein Ereignis irgendwo im europäisch vernetzten Stromnetz, gab es plötzlich Überkapazitäten und die betroffenen Netze wurden nacheinander sicherheitshalber heruntergefahren. Gleichzeitig wird die Stromproduktion in den Kraftwerken gestoppt und die noch vorhandene Energie abgeworfen. So werden Schäden an Transformatoren, Verteilstationen und Leitungen verhindert. Dies ist für eine rasche Wiederaufschaltung grundlegend. Die Reparatur von Infrastruktur ist immer mit grossen zeitlichen und materiellen Aufwänden verbunden. Mit Hochdruck wird nun auf internationaler Ebene nach der Ursache des Stromausfalles sowie der möglichst raschen wieder Einschaltung der Netze gearbeitet.

Aber zurück zu Ihnen nach Hause. Wieso läuft nun nach der Toilettenspülung kein Wasser mehr nach und bleibt der der Wasserhahn trocken? Dies ist sehr einfach erklärt. Wir verwenden bei uns meist Grundwasser, welches in die Reservoirs gepumpt wird. Sind diese Reservoirs leer, kommt auch kein Wasser mehr in die Leitungen. Dies passiert natürlich nicht sofort, aber die Reserven sind nicht unerschöpflich. Wasser steht zwar immer noch zur Verfügung, jedoch nicht mehr überall. Andererseits ist es auch positiv, denn bei einem Stromausfall kann auch die Funktionsbereitschaft einer Kläranlage beeinträchtigt sein. Vordergründig mag dieses Problem nicht zentral sein. Aber glauben Sie mir, nach einigen Stunden ohne Toilette, gibt es plötzlich fast keine geringeren Probleme mehr als dieses.
Die Beispiele, was ohne Strom läuft, bzw. eben nicht mehr läuft, könnten beinahe unerschöpflich weitergeführt werden. Die Themen wären hier z.B. Landwirtschaft (Tierfütterung, Melken), Kühlkette, Lebensmittellieferung und -lagerung, Spitäler und Heime, Tankstellen, etc.

Verschiedene nationale, kantonale und kommunale Gremien machen sich seit längerem Gedanken darüber, wie mit einem Stromausfall bzw. einer sogenannten Strommangellage umzugehen ist. So wurden beispielsweise die Kommunikationsnetze des Polycom-Funknetzes auf einen 72-stündigen Stromausfall konzipiert. Nach dieser Zeit sind die für eine minimale Grundversorgung nötigen Basisstationen notstromversorgt. Auf nationaler und kantonaler Ebene wurden sogenannte SKI-Objekte (Strategie zum Schutz kritischer Infrastrukturen) definiert und nötige Massnahmen erlassen.

Auch die zivilen Führungsorgane haben die Thematiken in den letzten Jahren regelmässig trainiert, die auf kommunaler Ebene kritischen Objekte beschrieben und die für den Betrieb nötigen Massnahmen definiert.
Ein weiteres Problem kommt mit der Kommunikation auf uns zu. Mobiltelefon-Basisstationen haben eine Stromausfallgarantie von ca. 15 Minuten. Danach geht nichts mehr. Bei Ihnen zu Hause funktionieren ohne Strom weder Router noch Telefone. Die Zeiten, bei welchem der für ein Telefongespräch nötige Strom aus der kupfernen Telefonleitung kommt ist (leider) vorbei.

Auf kommunaler Ebene werden deshalb vom Kanton sogenannte Notfalltreffpunkte vorgesehen. Welche Gemeinden einen solchen Treffpunt zur Verfügung stellen müssen, wird vom BSM, dem kantonalen Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär definiert. Diese Notfalltreffpunkte sollen für die Bevölkerung als Informations- und Meldungsdrehscheibe dienen. Zudem werden an diesen Stellen Wasser, Nahrungsmittel und warme Räume zur Verfügung gestellt. Betrieben werden diese Treffpunkte grundsätzlich durch den Zivilschutz. Die ersten 24 bis 48 Stunden müssen aber durch kommunale Mittel sichergestellt werden. Und hier kommt die Feuerwehr ins Spiel.

Der Wassertank eines Tanklöschfahrzeuges muss zwingend für Trinkwasser geeignet sein. Dies wäre im Ereignisfall dann die mobile Tankstelle für unsere Dörfer. Zugegeben, direkt ab dem Hahn ist das Wasser nur mit Vorbehalt geniessbar, aber immerhin hat es keinen Schmutz darin. Weiter haben wir bereits mit der Beschaffung des TLF einen mobilen 13.5 kVA-Generator einbauen lassen. Damit können z.B. Melkmaschinen, Kücheninfrastrukturen oder Backöfen betrieben werden, sofern sie die nötigen externen Anschlüsse aufweisen.

Nun kommt kann ein Stromausfall nicht nur bei Sonnenschein und 30 Grad vorkommen, sondern auch oder vor allem bei Unwettern mit Sturm und Regen. Dies führt dann dazu, dass Wasserpumpen wie beispielsweise bei der Sagi Hindelbank nicht mehr funktionieren. Als Folge ist mit Überschwemmungen Richtung Mühle und Dorfzentrum Hindelbank zu rechnen.
Auch beim Feuerwehrmagazin als Stützpunkt für den Ersteinsatz ergeben sich ohne Strom Probleme. So werden alle unsere Fahrzeuge mit Dauerstrom versorgt, so dass einerseits die strombetriebenen Einsatzmittel wie Funkgeräte, Trennschleifer, Lüfter usw., andererseits aber auch die Fahrzeuge an sich jederzeit einsatzbereit sind. Für das grosse TLF ist zudem ein Pressluftkompressor nötig, da das Bremssystem mit Druckluft funktioniert. Wenn der Drucklufttank wegen längerer Standzeit keinen genügenden Druck mehr aufweist, muss dieser bei einem Notfall zuerst durch das Fahrzeug selbst gefüllt werden. Damit verzögert sich die Ausfahrt des Fahrzeuges erheblich.

Damit die im letzten Absatz beschriebenen Bedürfnisse befriedigt werden können, ist die Anschaffung eines grösseren Notstromaggregates auf einem Anhänger geplant. Damit kann einerseits das Feuerwehrmagazin versorgt werden und andererseits ist der Betrieb der Pumpen für die Wasser- und Abwasserversorgung sichergestellt. Weiter seht das Gerät in „Friedenszeiten“ auch den Gemeinden für ihre Aktivitäten zur Verfügung.

Natürlich herrscht mit diesen Massnahmen noch lange nicht nur Friede – Freude – Eierkuchen. So sind z.B. die personellen Ressourcen der Feuerwehr nicht unerschöpflich und gewisse Risiken können nie gänzlich eliminiert werden. Aber die ersten Schritte sind getan. Denn die Frage lautet heute nicht ob, sondern wann eine Strommangellage eintritt und wie wir als Gesellschaft darauf vorbereitet sein werden.

Auch Sie als Einwohnerin und Einwohner sollten sich Gedanken darüber machen, wie sie mehrere Tage ohne Strom überstehen können. Haben Sie z.B. genügend Wasser für die ganze Familie. Wie sieht es mit dem Notvorrat aus? Haben Sie schon einmal Teigwaren mit dem (nicht elektrischen) Fonduerechaud zubereitet?

Ganz nach dem Motto – Bereite dich heute auf das Morgen vor, denn morgen ist es zu spät!

Falls Sie sich einmal in eine (fiktive) Welt nach dem Blackout wagen wollen, so empfehle ich Ihnen wärmstens den Roman von Marc Elsberg, welcher mich zu meinem Artikel inspiriert hat: Blackout - Morgen ist es zu spät (ISBN: 978-3-442-38029-9)

In diesem Sinne
Stell dir vor es brennt und keiner geht hin!

Christian Spühler

Kommandant Feuerwehr Region Hindelbank
kommandant@feuerwehr-hindelbank.ch
Webseite Feuerwehr Region Hindelbank
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